Zweiradimpressionen aus Paris

Ich war ja schon so einige Male in meinem Leben in Paris, doch beim Kurztrip am letzten Wochenende habe ich das erste mal etwas bewusster auf die Zweiradfahrer dort geschaut.

Da wir Freitag Mittag ankamen, konnte man sich ein gutes Bild davon machen, wie stark Motorrad und Rollerfahrer im alltäglichen Pariser Straßenverkehr vertreten sind. Während man in Hamburg an einem 29. Februar nur vereinzelt mal einen „beinharten Rocker“ oder einen traurigen Scooteristen erspäht, schieben sich hier die Zweiradfahrer in großen Gruppen an die Pole Positions der Ampeln.

Die Kraddichte in der Île-de-France kommt nicht von ungefähr. Auf vier Rädern ist man zu den Stoßzeiten nur noch eingeschränkt mobil und Parkplätze sind sowieso traditionell Mangelware. Die Stadt Paris kommt ihren Kradisten außerdem mit ausgewiesen Zweiradparkplätzen („Parking 2 roues“) entgegen, die meist auch komplett belegt sind.
Motorradparkplatz vor Notre Dame

Gefahren werden neben Maxirollern gerne Naked Bikes, deren Bestimmung als Gebrauchsgegenstand man ihnen ebenso ansieht wie den zerbeulten Pariser Automobilen. Irgendwie traurig aus Sicht des Freizeitfahrers aber flaniert wird während der Rush hour eben nicht.

Damit die Wintertage auf dem Zweirad nicht ganz so frostig verlaufen und auch Stoffhosenträger sauber und ohne Erfrierungserscheinungen an ihrem Zielort ankommen, bedienen sich viele Roller- und Motorradfahrer eines Zubehörteils, das ich hierzulande noch nie sah. Eine Plane, die vorn an der Verkleidung angebracht wird und während der Fahrt über Tank und Beine gelegt wird und Wind und Wetter abhält. In „Parkposition“ wird die Plane zusätzlich noch am Heck fixiert und dient damit als Wetterschutz für die Sitzbank. Ziemlich praktisch, sieht während der Fahrt aber ein wenig nach Versehrtenfahrzeug aus…

Ob eine Motorradtour nach Paris lohnenswert wäre, wage ich zu bezweifeln. Als Tourist würde man im Verkehr der Hauptstadt sicherlich verzweifeln und die Metro bleibt sowieso das schnellste und zuverlässigste Transportmittel der Stadt. Doch eins macht das Motorradfahren dort bestimmt angenehmer als hierzulande: Die Autofahrer haben sich an ihre zweirädrigen Straßenmitbenutzer gewöhnt und lassen sie durch wo es nur geht. Ist ja auch am cleversten so – mit jedem Verkehrsteilnehmer weniger im Stau ist man ja ein wenig schneller an seinem Bestimmungsort.

6 Comments on “Zweiradimpressionen aus Paris

  1. Diese Plane wird wahrscheinlich eine Kniedecke gewesen sein. Sehr beliebt bei Gespannfahrern, aber auch Winterfahrern. Sieht man hier bei uns in den Städten relativ selten, dafür umso häufiger auf Wintertreffen.

  2. Jupp, Kniedecken waren’s! Mir fehlte einfach die Vokabel um mal nach einem Bild googlen zu können. 🙂

  3. Die Franzmänner scheinen scheinen uns da einiges Vorraus zu haben. Ich glaube ich kenne in Dortmund gerade mal zwei ausgewiesene Motorradparkplätze und so klein ist Dortmund ja nun auch nicht. Liegt vielleicht aber auch daran, dass es nicht so viele Winterfahrer bei uns gibt, wie in Paris.

  4. Ich krieg jedesmal ein mulmiges Gefühl, wenn ich mit dem Lkw nach Paris muss. Die Selbstmörder Motorradfahrer da fahren, als ob es kein morgen mehr gibt.

    Und wenn man als Pkwfahrer nicht Platz macht, ist auch schonmal der Aussenspiegel weg…

  5. Kann ich mir vorstellen, aber an Deine Außenspiegel kommt doch so leicht kein Kradfahrer ran, oder? 😉