Oschersleben 2009/2 – Teil 2 – Siebenkommafünf Sekunden

Im zweiten Turn lief’s dann weniger schnell, eine 1:59.8 stand auf dem Handy, was wohl an diversen Ablenkungen am Fahrbahnrand und dazugehöriger Flaggenwinkerei lag. Gleich drei bis vier Abflüge gab während dieses Turns inklusive eines Kurzen Rennabbruchs mit Durchfahrt durch die Boxengasse. Da hatten wohl so einige noch nicht richtig ausgeschlafen.

Wirklich optimal bewegte ich die kleine Schwarze auch noch nicht durch die Kurven. In der Hotelkurve oder in Turn 4 (Streckenverlauf) hätte man auch mit einem niedrigeren Gang fahren können, und auch beim Abbiegen auf Start/Ziel zeigte der Drehzahlmesser nur 8000 U/min an. Trotzdem beließ ich es dann mit dieser Gangwahl, denn im zweiten Gang bei fünfstelligen Drehzahlen hing meine Yamaha so nervös am Gas, dass ich mehr mit Kurskorrekturen als mit flottem Rausbeschleunigen zu tun hatte. Dann lieber „Wohlfühlprogramm“ und an den Kurvengeschwindigkeiten arbeiten.

Racechrono lesson

Racechrono lesson

…und das mit den Kurven klappte dann auch von mal zu mal besser. Linksrum ja sowieso, da konnte ich mittlerweile die Pads nach Belieben schleifen lassen (was für ein Gefühl…) doch auch in den Rechtskurven gewann ich langsam mehr Vertrauen und schlingerte nicht mehr (ganz so) ums Eck, sondern ließ mich einfach etwas weiter zur Fahrbahnmitte treiben und versuchte etwas Schwung mitzunehmen. Im vierten Turn hatte ich dann auch mal eine zeitlang niemanden vor mir und hatte am Ende meine persönliche Bestzeit von 1:53.1 auf der Uhr.

7,5 Sekunden schneller als noch vor 3 Monaten als mit der Thundercat. Ich hatte vor einem Jahr ja mal hier und dort die Frage gestellt wo die Sekunden herkommen bzw. bleiben und die kühne Behauptung aufgestellt, 10 Sekunden (damals noch im Vergleich zu einer 2:04.5) könnten mit Top-Material schon drin sein. Nun ist die R6 ja auch schon 4 Jahre alt und wenn ich mich mal im Dreisatz versuche… 7,5 Sekunden schneller mit 9 Jahre jüngeren Motorrad macht knapp 11 Sekunden auf einer 2009er Maschine –  Hurrah, ich könnte 1:4Xer Zeiten fahren!

Jaja, spart Euch die Kommentare, ich weiß, das hinkt vorne und hinten und ich gehe davon aus, dass ich dieses mal mit der Thundercat auch (knapp) unter 2:00 gefahren wäre, also abhaken das Thema (bis ich demnächst mal eine Hochrechnung auf eine Rundenzeit mit einer 1000er aufstelle… 😉 ).

Helmut, Mark und ich starteten immer zeitgleich, so dass man sich einander immer noch mal eine zeitlang gegenseitig beim Fahren bestaunen und vielleicht noch die ein oder andere Herbrennung im Freundeskreis zelebrieren konnte. Meist fiel ich in der erste Runde etwas zurück, weil ich der Meinung war, es erst mal ruhig angehen zu müssen und auch die Reifen noch auf Temeperatur kommen lassen wollte, doch spätestens auf der Gegengeraden packte es mich wieder und versuchte wieder aufzuholen. Während Mark mit seiner Mille Factory immer mehr Meter zwischen uns brachte, schrumpfte der Abstand zu Helmuts R1 von Sektion zu Sektion, bis sich dann folgendes immer wieder wiederholte: In geringem Abstand laufen wir auf eine Kurve auf und ich versuche mit einer alternativen Linie (mal innen mal aussen, ein Konzept hatte ich nicht) bei etwas höherer Kurvengeschwindigkeit an Helmut vorbeizuziehen. Am Kurvenende, wenn ich schon auf Höhe des R1-Hinterrades bin, kreuzen sich dann wieder unserer Linien, ich gehe kurz vom Gas, um ihm nicht hintenreinzufahren und weg ist er entlang der nächsten Geraden… Zurück auf Los.

Die Yamaha-Schwestern einträchtig nebeneinander

Die Yamaha-Schwestern einträchtig nebeneinander

Bis auf ein Mal, wo es mir gelang, tatsächlich schneller aus der McDonalds zu kommen war ich also auf kleine Fahrfehlerchen angewiesen aber so ist das wohl nunmal, wenn mal als Hubraumminderbemittelter unterwegs ist.

Im vorletzten Turn 5, dann das Lowlight des Tages. Nach etwa 2/3 des Turns lasse ich mich mal wieder von Helmut durch die Kurven ziehen als ich plötzlich am Ausgang der Shell-Esses aufgewirbelten Dreck und ein silbriges Motorrad in demselbigen sehe. „Uh-oh, das darf doch nicht…“ Zwei Sekunden später, im vorbeifahren, dann die traurige Gewissheit: Da liegt Marks Mille im Kies. Verdammt. Immerhin erfasst das Auge noch einen schon wieder stehenden Mark, trotzdem ist für Helmut und mich klar, dass dieser Turn gelaufen ist und wir nehmen die Ausfahrt Richtung Fahrerlager (was zu diesem Zeitpunkt gar nicht so schlecht war,  da ich schon zu Beginn der Runde die Reservelampe aufblitzen sah…)

Nach vielen Vorbeifahrten in den vorherigen Turns hält diesmal der Schandkarren auch vor unserer Tür und liefert einen erstaunlich gefassten Mark sowie eine einseitig zerschrammte Mille ab. Dem Mensch fehlt nichts (nur blaue Flecken sind hinzugekommen) und der Maschine fehlt ein wenig Plastik (größtenteils von den üppig dimensionierten Sturzpads), sowie ein Stück vom Kupplungshebel. Rahmen, Gabel und Schwinge blieben aber unversehrt.  Der linke Lenkerstummel, sowie Schalthebel waren verbogen. Letzterer sich sich mit Yamaha-Bordwerkzeug wieder halbwegs richten, der Stummel muss demnächst neu aber nach einer Viertelstunde war die Factory schon wieder fahrbereit auch wenn Mark dann auf den letzten Turn verzichtete und sich lieber mit der Videokamera in die Hasseröder stellte, um mal ein paar Bewegtbilder zu schießen. Bin gespannt, wann ich die zu sehen bekomme…

MPP2CT

MPP2CT

Auch wenn wir alle auf das wegrutschende Aprilia-Vorderrad in Turn 5 hätten verzichten können, gelohnt hat es sich trotzdem. Für unsere Verhätnisse waren wir richtig schnell und ich glaube, ich habe sogar meine Rechtskurvenschwäche teilweilse überwinden können. In den letzten Turns brachte ich dann doch mal das rechte Knie, sowie den Fußrastennippel (links fehlt er schon) auf den Asphalt, was irgendwie befreiend war. Irgendwie fällt mir das „sich locker hängen lassen“ aka Hanging-off auf der Gashand-Seite nicht so leicht… aber es wird. Ich habe Hoffnung geschöpft.

Gegen 15:30 hatten wir dann die Yamahas auf dem Hänger und folgten dem Kompass Navi Richtung Norden. Kurz vor Neun hatte ich dann Helmut, die R1 und den Hänger an Ihren Bestimmungsort gebracht. Bis zum nächsten Mal…

12 Comments on “Oschersleben 2009/2 – Teil 2 – Siebenkommafünf Sekunden

  1. Schiete das mit Marks Mille. Die sah doch noch so gut aus, als ich sie in Peine sah. Nun hat sie das TL- oder nennt man es dann das Ring-Down-Syndrom befallen. 🙁

    Hauptsache Mark geht es gut. Ins Mopped muss er halt wieder investieren.

    Und Glückwunsch zur 7 Komma 5. 🙂

    Wenn Du die 1:36 min. erreicht hast, darfst Du dann mit den „großen Jungs“ spielen fahren? 😉

  2. Stephan , auch Du solltest einmal
    die phaszination Rennstrecke erleben und mit uns dort spielen .
    Glaube mir , Du wirst es bestimmt nicht bereuen . Man muß die Sache nur ruhig
    und abgeklärt angehen . Der Fahrstil wird sich auf jedenfall verbessern . Garantiert .

  3. Helmut, wir haben – wie schon so oft diskutiert – unterschiedliche Herangehensweisen an das Hobby Motorradfahren. Schnell im Kreis fahren und Zeitenverbesserungen stehen bei mir nicht auf der Agenda dieses Hobbys. Schade finde ich es, dass es so aussieht, als ob wir es nicht mehr schaffen, eine gemeinsame Moseltour wie früher zu organisieren, da die kostenintensive Rennstrecke dieser Art des Motorraderlebnisses demokratisch den Rang abgelaufen zu haben scheint.

  4. @Stephan: Was ist denn bei 1:36? Bekomme ich dann eine 1000er geschenkt? 😉 Unsere Moseltouren scheitern ja nicht mehr an den Finanzen, sondern an der mangelnden Zeit… So ist das wohl im Alter… Wann ist eigentlich Pfingsten nächstes Jahr?

    @Helmut: Gib Dir keine Mühe…es gibt halt wirklich unterschiedliche Herangehensweisen an das Hobby Motorradfahren.

  5. Schöner Bericht, Dennis, ihr scheint ja – bis auf den Abflug – echt Spaß gehabt zu haben. Gut das Mark nichts weiter passiert ist. Mit der FZR würde ich es auch gerne mal in Oschersleben probieren, ich wäre gespannt, was so eine 87er Kilo für Zeiten bringt, aber ich glaube gegen die modernen Versionen dieses Motorrads kann man da nicht viel machen – wobei noch das Problem hinzukommt, dass ich erstmal ein Renntraining machen müsste, weil ich als Alltagsfahrer ja weniger auf sportliches sondern mehr auf (halbwegs :D) sicheres Fahren achte.
    Spannend fände ich es jedenfalls mal auf einer Rennstrecke zu fahren, auch wenn mir das Touren – wie Stephan auch – eigentlich lieber ist.

  6. Auch die gute alte KiloFZR ist bestimmt für 1:4Xer-Zeiten gut, es hängt ja meistens vom Fahrer ab… Die Veranstaltungen, auf denen wir uns rumtreiben sind ja „Renntrainings“, also mehr „low-level“ geht eigentlich nicht. Vielleicht gönnst Du Dir und der Yamaha ja mal ein Kurventraining und im nächsten Jahr sag ich vorher Bescheid, wenn’s nach Oschersleben geht… 🙂

  7. „Rahmen, Gabel und Schwinge blieben aber unversehrt.“

    Woher wusstet ihr das?

  8. Die Teile habe äußerlich nicht mal einen Kratzer abbekommen und bei einem Lowsider ist die mechanische Beanspruchung auch nicht so gewaltig…

  9. Klingt, bis auf den Abflug, nach ner Menge Spass. Die Renne hab ich bis vor 3 Jahren regelmaessig mit dem Auto zelebriert, aber ich muss das demnaechst auch mal mit der Mopete ausprobieren 🙂

    Das mit der Rechtskurvenschwaeche kenn ich. Links rum gehts fix, gar kein Problem. Rechts rum ist’s, wenns richtig engwinklig werden soll, immer ein Gewese… :/

  10. Cool! Die Yamaha-Schwestern finde ich unglaublich schön, bin ein bisschen neidisch 🙂 LG, Dominik

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