Honda Testtage 2013

Was gibt’s eigentlich Neues bei Honda? Um diese Frage nicht unbeantwortet zu lassen lud @ollifra73 im Namen von Honda auch in diesem Jahr wieder zum fröhlichen Motorradtesten ins nordbayerische Weibersbrunn. Diesem Ruf folgte die motorradbloggende und -twitternde Gemeinde nur all zu gerne.

Die Fahrzeuge auf meiner Wunschtestliste fingen an diesem Tag alle mit ‚CBR‘ an und endeten auf einem sportlichen ‚R‘ oder gar supersportlichen ‚RR‘. Wie der Zufall so wollte waren meine Wunschkandidaten auch immer zum richtigen Zeitpunkt frei für mich.

CBR500R

CBR500R

CBR500R in freier Wildbahn

Also rauf auf die erste große Neuheit des 2013er Modelljahrgangs. Der neue 500er Zweizylindermotor ist auch noch als F- (naked) und X-(„Adventure“)Version zu haben und die magischen 48PS zielen auf alle die, die demnächst ihren A2-Führerschein in den Händen halten.

Die Unterschiede zwischen der F- und der R-Version sind eigentlich nur die sportliche Verkleidung und der etwas tiefer liegende Lenker an der R. Die klassische Supersportler-Haltung bleibt dem CBR500R-Piloten aber erspart. Die Sitzposition würde ich noch als recht entspannt und einsteigerfreundlich beurteilen und auch das Handling wird niemanden überfordern. Ein wirklich nettes Einsteigermopped für gut €6000.

Jetzt könnte man sich ja fragen warum Honda sich plötzlich selbst Konkurrenz zu den im letzten Jahr sehr erfolgreich verkauften NC700-Modellen macht, die ebenfalls preisgünstige 48PS-Kräder sind und auch in Naked und Adventure-Versionen angeboten werden. Für welche Modellreihe man sich entscheidet ist letztendlich Geschmackssache und zwar nach welcher Art Motor einem der Sinn steht. Der 700er ist im Antritt deutlich kräftiger, gibt sich aber nicht besonders drehzahlfreudig und läuft (grade beim Erstkontakt) gern mal in den Begrenzer, während der 500er höhere Drehzahlen fordert, um die ganze Leistung abzurufen. Wie gesagt: Geschmackssache, Pils oder Weißbier, Benzin oder Diesel..

CBR1000RR Fireblade

2xCBR500R =  CBR1000RR? Mitnichten, denn genausowenig sind 2 x 48PS gleich 178PS … Die Fireblade hat sich das Doppel-R wirklich verdient, denn schon beim Aufsitzen wird klar dass das hier nichts mit der vermeindlichen Sportlichkeit der kleinen CBR500R zu tun hat. Die vorgegebene Sitzhaltung ist zwar noch halbwegs alltagstauglich fördert aber den innigen Kontakt zur Maschine, das LCD-Display ist groß und sehr gut ablesbar, alle Hebel und selbstverständlich auch das Fahrwerk sind seit je her einstellbar und sehr feinfühlig aus dem Endtopf grummelt es auch sehr erwachsen. Das ist Rennsport in Serie, das ist ‚the real thing‘ und das ist der Grund warum der engagierte Motorist dafür auch €9000 Euro mehr als für eine 500er zu bezahlen bereit ist.

Fireblade (Tricolor)

Fireblade (Tricolor)

Nun lassen sich die Vorteile einer sportlichen Sitzhaltung und 178PS bei 12.000 Umdrehungen auf verwundenen Landstraßen nicht wirklich auskosten, trotzdem bekommt man bei jedem Dreh am Gasgriff und in jeder sauber gezogenen Kurve vermittelt, wozu die Fireblade eigentlich im Stande wäre, wenn man sie nur ließe. Vielleicht fühlt sich das Mopped dann zwar nicht ausgelastet, man selbst hat aber einen Heidenspaß.

CBR600RR

Ich mag ja die 600er Supersport-Klasse, auch wenn sie, wie wir in der Präsentation zur Mittagspause lernen mussten, dabei ist auszusterben. Trotzdem spendierte Honda für dieses Modelljahr noch einmal eine neue Gabel, die Fireblade-Aluräder und ein kleines Verkleidungs-Facelift. All das kombiniert mit einer Preissenkung sollte doch dafür sorgen können, die Verkäufe stabiler halten zu können als bei der japanischen Supersport-Konkurrenz.

CBR600RR

CBR600RR

Natürlich muss man auf der Straße die Drehzahl ein wenig höher und die Gänge ein wenig niedriger wählen, wenn man ähnlich flott unterwegs sein will wie mit der Fireblade, doch der Eindruck bleibt der gleiche: hier hat man es mit einem echten Sportgerät zu tun und eigentlich müsste man das Maschinchen besser mal auf der Rennstrecke testen…

VFR1200F

Anschließend hieß es dann „entspannt aus dem Vollen schöpfen“, während @schrm und @griesgram999 vor mir die Supersportler trieben hatte ich auf der Landstraße mit der mir schon bekannten 1200er VFR mit ihrem V4 keine Mühe „dran“ zu bleiben. Ein Dreh am Gasgriff, ein sattes „Prööööt“ aus dem Endtopf und schon war man wieder auf Augenhöhe.

CB1000R

CB1000R

CB1000R

Nach dem Mittag noch etwas Spaß haben während man darauf wartet dass vielleicht mal eine CB1100 frei wird. Ich denke hier haben wir eines der besten Landstraßenmoppeds, die Honda im Angebot hat. Der Fireblade-Motor macht auch mit „nur“ 125PS mächtig Spaß, wichtig ist hier ja hauptsächlich, dass satt Drehmoment geliefert wird, ohne den Motor kreischen lassen zu müssen. Dazu noch ein richtig breiter Lenker (also aus Sportler-Perspektive…) und die 222kg lassen sich easy um die Kurven zirkeln. was ich mir am Ende der Testfahrt nur gewünscht hätte wäre ein wenig Verkleidung, denn es begann langsam zu regnen…

Gold Wing

Die Gold Wing Schwestern

Die Gold Wing Schwestern

Regen? Verkleidung? Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Motorräder – also rauf auf die Gold Wing! Griffheizung an, Sitzheizung an, Musik an … ach nee schnell wieder aus – ich hör lieber den säuselnden Sechzylinder-Boxersound! Das Visier kann offen bleiben und die Lederkombi bleibt auch trocken, während man die über 400kg überraschend agil durch die Landschaft bugsiert. Nur anhalten darf man nicht, sonst könnte man nass werden. Die neue im Bagger-Look daherkommende Gold Wing F6B sieht zwar deutlich schärfer aus als die klassische Gold Wing und wiegt 28kg weniger, jedoch hatte Pilot @ernietroelf das Nachsehen, was den Wohlfühl- und Trockenbleibfaktor angeht. In den Genuss des wunderbaren Einskommaachliter(!)-Motors kam er aber trotzdem.

Was blieb?

MSX125

MSX125

Wow, sechs Motorräder gefahren und trotzdem bleiben noch Dinge unabgehakt: Die sehr schicke CB1100 im CB Sevenfifty-Gedenklook und die spaßversprechende MSX125, die leider nur zum Anschauen im Innenraum zur Verfügung stand und bei allen Testfahrern (un)heimliche Begehrlichkeiten weckte. Ich bin gespannt was sich mit diesem kleinen 10PS/100kg-Gefährt so alles anstellen lässt.

Auch bei Regen gibt es für den gemeinen Motorradfahrer ja was zu tun. Kaffeetrinken und Benzin reden oder wie in unserem Fall: Kaffe trinken, Kuchen essen, Benzin und Internet reden, bekannte und neue Gesichter sehen und Honda (vergeblich?) davon zu überzeugen, mit Aufsitzrasenmähern eine Alpenquerung zu wagen… Schön wars, Danke für die Einladung!

Die große Presseschau zu den Testtagen gibt es übrigens hier.